Dior: Designer of Dreams / Meine liebste Modeausstellung im V&A Museum London

Sie läuft schon eine ganze Weile, ist seit Monaten ausverkauft und bisher habe ich nur positive Kritiken gelesen. Die Erwartungen an die Sonderausstellung Dior: Designer of Dreams im berühmten Victoria & Albert Museum in London waren hoch. Trotzdem kann ich bereits jetzt vorwegnehmen, dass sich jeder Pfund Eintrittsgeld gelohnt hat und ich die Ausstellung aufgesaugt habe, wie ein Schwamm!

Ich gehörte zu den wenigen Glücklichen, die im richtigen Moment online waren und von den Zusatztickets der Ausstellung profitieren durften. So musste ich nur 2 Wochen nach meinem Ticketkauf warten, bis sich endlich die Pforten zu dieser ganz besonderen Ausstellung für mich geöffnet haben. Letzte Woche um 09:15 Uhr, eine Dreiviertelstunde vor den normalen Öffnungszeiten des V&As, war es so weit. Inmitten von einer grossen Gruppe modeinteressierter junger Damen und weniger Männern beschritt ich die Saintsbury Gallery und war vom ersten Augenblick an gepackt.

Schon an der glaenzenden formvollendeten Treppe, die uns in die Gallerie führte, spiegelten sich lebensgroße Dior-Entwürfe. Von da an war ich vollkommen überzeugt,…

…dass diese Ausstellung etwas ganz besonderes sein wuerde. Warum? Jeder Raum, vom ersten Dior-Überblick bis hin zum großen Ballroom, war bis ins kleinste Detail interiortechnisch perfektioniert. Das Licht, die Farben, die Formen, die Accessoires, die Videos, die Musik und die Anordnung. Es gab wirklich nichts, was nicht perfekt gewesen wäre.

Angefangen hat die Ausstellung mit einem kleinen Video von Christian Dior im Atelier, platziert neben dem berühmten originalen „New Look“, eine Silhouette, mit der Dior erst richtig bekannt geworden ist und bis heute in aller Munde blieb. Direkt daneben: eine identische Silhouette aber modern inszeniert, aus der letzten Kollektion mit berühmten „We should all be feminists“-Tshirt.

Skizzen, die Kollektionscharts und weitere Videos vervollständigten den ersten Raum und führten mich dann in Raum Nummer 2. Ein komplett anderes Interiordesign, dieses mal in schwarz mit hellen LED-Rahmen um die einzelnen Outfits in den Farben beige, rot und schwarz. Ein atemberaubender Anblick. Natürlich kannte ich viele der Outfits aus Modemagazinen, Editorials oder von Websites, allerdings doch meistens vorwiegend aus der Vorderansicht. Das hat sich jetzt zum Glück geändert, denn ich habe jedes Outfit genau unter die Lupe genommen und von vorne, hinten, rechts, links, oben leider nicht, aber unten betrachtet. Das war für mich super spannend, weil ich dabei noch so einige Kniffs und Tricks an Verarbeitungsmethoden für mein eigenes Schaffen gefunden habe.

Weiter ging es in einem herschaftlichen Villenraum, ganz französisch mit tollen Abendkleidern, in einen exotischen Raum, der sich auf das Thema Inspirationsreisen beschraenkte. Dort habe ich erfahren, wie viel Christian Dior aus seinen eigenen Reisen gezogen hatte und ganz unterschiedliche Kulturen in seinen Kollektionen verarbeitet hat. Super spannend!

Blumen über Blumen. Von 2D bis 3D.

Damit beschäftigte sich der vierte Raum. Eine grosse Inspirationsquelle für Dior selbst war die Gärtnerei, mit der er sich schon in jungen Jahren viel auseinandergesetzt hat. Sieht man auch sofort, wenn man sich die passenden Kleider in diesem Raum genauer anschaut. Sie ähneln Tulpen, Rosen, haben kleine Applikationen und ganz offensichtliche Printmotive. Besonders beeindruckt haben mich dabei zwei Techniken. Das Kleid aus Raf Simons Zeit als Creative Director bei Dior erinnert an den malerischen Stil des Pointilismus und ist über und über aus kleinen Tüllstücken zusammengesetzt und wirkt buchstäblich wie getupft. Eine Meisterleistung. Ein anderes Kleid, das mich sehr interessiert hat, war direkt in der Raummitte zu finden. Hier setzten sich die Blumenmotive aus einzelnen Federn zusammen und plötzlich wirkten die Federn gar nicht mehr wie Federn, sondern eben – genau – wie Blumen.

Weiter ging es mit einem spannenden Raum, der sich allen Creative Directors nach Christian Dior gewidmet hat. Ihre unterschiedlichen Herangehensweisen, Inspirationen und Stile, die doch am Ende Dior zu schreien schienen, wurden hier thematisiert. Am Ende stand dabei natürlich die derzeitige kreative Leitung Maria Grazia Chiuri, die erste weibliche Leitung um genau zu sein.

Noch besser kann es gar nicht werden dachte ich zu diesem Zeitpunkt? Falsch gelegen.

Der nächste Raum war mit Abstand mein Lieblingsraum in der ganzen Ausstellung. Komplett in weiß, von der Decke bis zum Boden, vom Interior bis zu den Kleidungsstücken. Denn in diesem Raum hat es sich um die ganzen Probestücke gedreht. Und die haben mich als Designerin besonders angesprochen, denn ich kenne den Aufwand, der hinter einer Kollektion steckt. Ich konnte sehen, wie im Hause Dior gearbeitet wird, wie die Kollektion entwickelt wird und welcher Zauber im Atelier vollbracht wird.

Anschließend folgte noch ein Raum über Accessoires und die unzähligen Magazincover, bei denen ein Look von Dior das Titelbild vervollständigte. Dann, ein weiterer großartiger Raum und für alle Ballkleid-Fans das Highlight: der Ballsaal. Und das war er im wahrsten Sinne des Wortes, denn für einen Moment vergaß man doch tatsächlich, dass man sich eigentlich noch im Museum befindet. Bis ins Detail der Ausgestaltung der Wände, der eleganten Musik und den wechselnden romantischen Lichtverhältnissen wurde an alles gedacht. Sogar an der Decke konnte man den Sternenhimmel sehen und hier und da mal eine Sternschnuppe entdecken. Wunderschön!

Vollgesaut mit unendlich vielen Eindrücken ging es dann in Richtung Ausgang, vorerst geziert mit einem großartigen Brautkleid und einem Abschlussvideo, auf dem nach einem Portrait von Christian Dior eine Vielzahl von Looks von damals bis heute abgespielt wurden.

Und auch im Shop bin ich fündig geworden und habe mir nicht nehmen lassen können, mir das Buch zur Ausstellung mitzunehmen. Außerdem hätte man auch Zeichnungen und jede Menge Mal- und Nähsachen kaufen können. Da musste ich mich echt zurückhalten…nur eine Tasche durfte noch mit, die konnte ich einfach nicht da lassen.

Ich kann nur am Ende noch einmal hervorheben, wie gut mir die Ausstellung gefallen hat und wie inspiriert ich davon nach Hause gekommen bin. Hier konnte man mal wieder sehen, dass Mode mehr ist, als nur Kleidung.