The Wallace Collection / Eine kleine Zeitreise

Kunstliebhaber und historisch interessierte Leute aufgepasst! Denn hier kommt ein kleiner Geheimtipp aus London, genauer gesagt in Westminster: die Wallace Collection. Die Privatsammlung von Sir Richard Wallace ist seit einigen Jahren frei zugänglich und bietet die Chance, für einige Stunden in eine vergangene Zeit zu reisen.

In meinem Praktikum bei Vivienne Westwood in London hatte ich vergangene Woche die Möglichkeit, mir die Wallace Collection genauer anzusehen und verbrachte prompt den halben Tag vor Ort. Hätte ich mir jedes der Stücke ausführlich anschauen wollen, hätte ich sicherlich eine ganze Woche in den ehemaligen Wohnräumen von Sir Wallace verbringen können – so viel gibt es dort zu sehen!

Es handelt sich hier nämlich um seine Privatsammlung, die seine Witwe 1897 dem britischen Staat vermacht hat. Über mehrere Generationen haben Sir Wallace und seine Familienmitglieder nicht nur Gemälde, sondern auch Möbel, Geschirr, Rüstungen oder Skulpturen aus der ganzen Welt gesammelt und sich daraus ein ganz eigenes Interior zusammengestellt.

Eine Lampe aus dem Orient neben einem Gemälde von Rembrandt wirkt erst mal komisch?

Seltsamerweise nicht in der Wallace Collection, in der wirklich jedes Teil an seinem perfekten Platz steht und darauf wartet, von den Besuchern bestaunt zu werden.

Und tatsächlich habe ich beim Bestaunen doch so manche Inspiration der Modeikone Vivienne Westwood vorgefunden. Genau diese schickte uns mit der Frage, welches Stück der Sammlung wir bei einem Feuer retten wollen würden, in die Ausstellung. Erstmal schwierig, gibt es ja so unendlich viel zu sehen. Aber eine kleine Sammlung hat mich dann doch besonders begeistert und die möchte ich euch gerne vorstellen.

Wenn es also ein Feuer in der Wallace Collection gäbe und ich die Möglichkeit hätte, nur ein Stück zu retten, dann wäre es …

… eines der Miniatur-Portraits aus dem Boudoir Kabinett auf der ersten Etage. Das Kabinett zeigt eine Miniaturkunst aus dem 17. und 18. Jahrhundert – eine kleine, aber feine Kunst mit einem sehr persönlichen Hintergrund (vielleicht dem persönlichsten in der gesamten Ausstellung?) und einer sehr emotionalen Bedeutung. Die kleinen Stücke wurden nämlich angefertigt, um wichtige Ereignisse oder Orte festzuhalten – quasi als Souvenir, während die kleinen Portraits als Zeichen der Liebe oder Freundschaft verschenkt wurden.

Neben den vielen anderen beeindruckenden und teils auch sehr bekannten und vielleicht auch „wertvolleren“ Werken in der Wallace Collection hatte ich bei den Miniaturportraits doch das Gefühl, dass in diesen der richtige, unverfälschte und authentische Zeitgeist festgehalten wurde – wobei trotz der Größe wichtige Details und Informationen entdeckt werden können (sei es zeitgenössische Kleidung, Accessoires, Farben…).

Wenn es also ein Feuer gäbe, würde ich mir schnell ein Miniatur-Portraits schnappen, um damit ein wichtiges Teil Geschichte für die Zukunft zu sichern.