NYFW / Francesca Liberatore SS18

Schon langsam so richtig eingegrooved in die ganze Fashion Week Welt ging es weiter. Ich konnte gar nicht genug davon bekommen, Outfits für mich auszuwählen, meine Anreise zu planen, mich vorher nochmal über vergangene Kollektionen und die Designer an sich zu informieren um dann kritisch die neuen Looks zu beäugen und danach inspiriert die ausgewählten Räume zu verlassen. Nach Hause zu fahren mit einem Sack nicht nur voller neuer Goodies, sondern einem Sack voller neuer Eindrücke. Das Ganze im Ambiente von hunderten Modebegeisterten, Modefachleuten und einem ganzen Haufen Fotografen, alle wild darauf, das perfekte Bild der Outfits zu schießen. Ich habe die Fashion Week schnell lieben gelernt!

Die erste Show, die für mich in der offiziellen Location der New York Fashion Week – dem Skylark Clarkson in Downtown Manhattan – stattfand war die von Francesca Liberatore. Ganz gespannt auf den Ablauf, die Räumlichkeiten und natürlich die neue Kollektion fuhr ich also in Richtung Süden.

Francesca Liberatore ist eine italienische Modedesignerin, die ihren Universitätsabschluss am Central Saint Martins College in London gemacht hat. Das ist schonmal vielversprechend, kommen doch einige der bekanntesten Modedesigner ursprünglich von dieser Ausbildungsstätte. Nachdem sie bei einigen von ihnen gearbeitet hat, wozu Viktor&Rolf und Jean Paul Gaultier zählen, hat sie sich 2007 dazu entschieden, ihr eigenes Label zu gründen. Und damit fährt sie seitdem sehr gut. Schon zwei Jahre nach ihrem Start hat sie einen italienischen Award für ihr Design gewonnen und konnte bereits in dem Jahr an der Mailänder Fashion Week teilnehmen.  Neben der Arbeit an immer wieder neuen Kollektionen, hat Francesca Liberatore sich auch dazu entschieden, ihr Wissen und Können an die nächste Generation weiterzugeben und lehrt deshalb an sehr guten italienischen Universitäten, wie der Brera Fine Art Academy, der NABA in Milan und der Academy of Fine Arts Rome. Große Kooperationen mit großen Partnern wie Swarovski folgten und seit 2014 werden ihre halbjährlichen Kollektionen auf den großen Laufstegen der Welt präsentiert und so auch in New York.

Ihren Lebenslauf im Hinterkopf war ich super gespannt, ihre Kreationen mal live auf dem Runway zu sehen und nahm Platz in einem der drei Räume des Skylark Clarkson. Pünktlich ging es los – es wurde dunkel, das Publikum hörte auf Selfies zu schießen, wurde ruhig und richtete stattdessen seine Blicke auf die Stelle des Laufsteges, auf dem bald das erste Model zu sehen sein würde.

Damit ihr quasi einen Live-Einblick in die Show bekommt, schaut doch mal dieses Video an. Versucht auch die gespannte Atmosphäre zu fühlen und bereitet euch auf meinen Trend Bericht vor!

 

TRENDBERICHT

Die diesjährige Kollektion drehte sich komplett um Raffungen, lockere und dennoch feminine Schnitte und den Einsatz von Spitze. Alle Looks wirkten sehr zart und sehr weiblich, ohne dabei offensiv mit tiefen Dekolletés oder kurzen Röcken zu protzen.

Ein immer wiederkehrendes Element waren die Raffungen, die in Bandeau BH Optik auf T-Shirts und Kleidern angebracht waren und so einen wichtigen weiblichen Part unterstreichen, der aber nicht entblößt wird, sondern vielmehr elegant umspielt.

Neben diesen Positionen tauchten die Raffungen und Rüschen aber auch an herkömmlichen Stellen auf und lugten unter Knopfleisten hervor oder sie gaben schlichten Röcken einen interessanten Look und fließenden Fall, in dem sie bei jeder Bewegung des Models spielerisch auf und ab hüpften.

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Die Farbpalette reicht von einem Off-White über intensives Gelb, Veilchenblau, Beige, Anthrazit bis hin zu schwarz mit immer wieder auftauchenden Akzenten in Orange und Grün. Eine breite Farbkarte zwar, allerdings war die Kollektion so riesig (sie bestand aus locker 50 Outfits), dass auch etwas Abwechslung zwischen den einzelnen Kreationen erwünscht war. Ein Gesamtbild war trotzdem vorhanden!

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Die gerade angesprochenen Farben waren natürlich nicht nur einfarbig in den Kleidungsstücken zu finden, sondern kamen in verschiedenen Mustern wieder zum Einsatz. Das beliebteste Muster dieser Saison von Francesca Liberatore schien das Karo zu sein, welches in zarten Linien und 70er Farbkombinationen auf Hemden, Röcken und Kleidern wiederzufinden war. Einzeln etwas altbacken könnte man meinen, die Kombination war aber sehr modern. Mich hat es etwas daran erinnert, Kleidungsstücke im Schrank der Großeltern zu finden, zu dekonstruieren und ein modernes Teil mit dem Charme und der Geschichte der Vergangenheit zusammenzusetzen. Nicht nur optisch schön, sondern mit emotionalem Hintergrund.

Wie zur Zeit auf vielen Schauen und so auch hier, durften die Models hauptsächlich bequeme flache Schuhe, wie Sneakers, Loafers, Slippers oder Ballerinas tragen. Diese Entscheidung hat die Kollektion nachhaltig beeinflusst, denn sowohl die casual Outfits, als auch die eleganten Abendkleider hatten dadurch einen sportlichen und alltagstauglichen Touch, was mir sehr gut gefallen hat. Auch wenn ich gerne mal zum Ausgehen für einen wirklich besonderen Anlass hohe Schuhe anziehe, muss man doch zugeben, alltagstauglich ist etwas anderes! Vor allem in einer Stadt wie New York City, in der man den ganzen Tag schleunigst von A nach B rennt, tausend Löcher im Boden sind und Gitter Stolperfallen darstellen, ist es wichtig, dass man sich auch in flachen Schuhen trendy fühlen kann. Diese Meinung vertritt Francesca Liberatore anscheinend auch.

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Ingesamt hat mir die Kollektion von Francesca Liberatore sehr gut gefallen, denn sie war viel weniger italienisch-glamourös, als ich erwartet hatte. Zwar gab es so einige Elemente aus dieser Kategorie (Spitzen, Glitzer, Rüschen), doch waren sie so nett mit sportlichen Elementen kombiniert, dass die Teile tragbar wurden und dennoch besonders blieben. Besonders haben mir die Bandeau-Raffungen gefallen, die einen großen Trend darstellen werden und sicherlich bald ähnlich in den großen Modeketten zu finden sind.

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Eure Juliana