Was bisher geschah / 2

An der Hochschule Hannover beginnen die neuen Studenten jeweils zum Wintersemester, weshalb wir auch im zweiten Semester noch die Küken waren. Wie ich schon im Artikel über das erste Semester im Modedesign Studium berichtet habe, führten sich die meisten Kurse fort:

  • Grundlagen der Gestaltung 2
  • Kunst- und Designgeschichte 2
  • Kreativität und Kommunikation 2
  • Schnittkonstruktion 2
  • Fertigung 2
  • Textile Waren 2
  • Entwurfsmethodik 2
  • Aktzeichnen
  • Grundlagen der Fotografie
  • Modepreis

Auf ein paar Fächer, bei denen mehr Erklärungsbedarf herrscht oder die sich inhaltlich vom ersten Semester unterscheiden, möchte ich noch einmal näher eingehen:

Wie schon im ersten Semester bestanden die Grundlagen der Gestaltung erneut aus zwei verschiedenen Blöcken. Das waren dieses Mal Malerei und Videoinstallation. Im Bereich Malerei wurden zuerst Farbharmonien und Kontraste aus dem Abitur wiederholt, erst anschließend haben wir begonnen großformatige Stillleben mit Acryl zu malen (jeweils auf Papier auf Holz bezogen) – wozu Bauklötze oder Äpfel zählten. Unser Professor war sehr nett und gab jedem Einzelnen Tipps und Kritiken, mit denen man gut arbeiten konnte, weshalb mir dieses Fach sehr viel Spaß gemacht hat – auch wenn ich sonst lieber zeichne, als male. Im nächsten Quartal habe ich mal etwas ganz neues ausprobieren können: Die Videoinstallation. Vorher habe ich noch nie mit diesem Medium gearbeitet, war aber überrascht, wie inspirierend dieser Unterricht war und welche kreativen Ideen dort zustande kamen. Man hat jeweils in kleinen 4er Gruppen zusammengearbeitet und zu verschiedenen Themen Kurzvideos gedreht, die man anschließend auf selbstgerechten dreidimensionalen Flächen projizierte. Dabei sollte eine möglichst spannende, interessante Präsentation mit Raum zur Interpretation erschaffen werden. Mit diesen Einblicken in verschieden Gebiete der Gestaltung habe ich echt viel gewonnen. Es hätte allerdings noch so viel mehr Fächer gegeben, in die ich gerne geschnuppert hätte, wofür aber leider keine Zeit war (z.B. Siebdruck, Typografie Buchbinden).

In der Fertigung 2 wurden dieses Mal nicht nur kleine Musterteile mit einzelnen Schritten auf dem Weg zum fertigen Kleidungsstück genäht, sondern Blusen in kleiner Größe. Es ging um Kragenformen, Faltenarten, Knopfleisten, Manschetten und Ärmel und dadurch dass man nicht nur kleine DIN A4 Stoffmuster genäht hat, sondern ein wirkliches – wenn auch kleines – Kleidungsstück, war ich etwas motivierter, für das Fach zu arbeiten. Dieses Motivationstief lag aber sicher daran, dass ich vorher schon eine Ausbildung zur Damenmaßschneiderin abgeschlossen hatte und somit jede Unterrichtswoche der Fertigung reine Wiederholung für mich war. Glücklicherweise ist mein Dozent wieder auf mich eingegangen, und ich musste das Fach nicht regelmäßig besuchen, sondern nur die Abgabe am Ende mitmachen.

Besonderen Spaß hatte ich im Fach Aktzeichnen, bei einer wirklich wunderbaren Dozentin, die es einem ermöglichte, sich frei zu entfalten und seinen Stil zu finden. Fast jede Woche hatten wir männliche oder weibliche Modelle im Kurs, die wir in verschiedener Dauer mit allen möglichen Materialien zeichnen durften – vom Bleistift, über den Edding und Aquarell bis hin zum Ton modellieren. Super fand ich den Tag, als wir uns mit dem gesamten Kurs im Sprengel Museum in Hannover getroffen haben, um das Aktmodell mit reeller Kunst zu zeichnen und verschmelzen zu lassen. In dieser Aktzeichnen-Klasse habe ich nicht nur gelernt, auf die Proportionen eines Modells zu achten, sondern meine Wahrnehmung individuell zu zeigen.

 

Neu in diesem Semester war auch das Fach Grundlagen der Fotografie, bei dem uns ein Fotograf die Einstellungen an der Kamera erläutert hat, wir das Fotostudio nutzen konnten und gelernt haben, wie die Lichtmaschinen funktionieren und verschiedenen Beleuchtungsvarianten wirken. Dieser Kurs fand in Blöcken statt und nach den Übungen mussten wir in 2er Gruppen als Prüfungsleistung ein Fotoshooting planen und durchführen. In meiner Gruppe haben wir einen minimalistischen Look präsentieren wollen von dem hier ein Auszug zu sehen ist:

Übersicht1

DSC_2596 Kopie

Fotografen: Lisa Niedergerke & ich
Modell: Emma Teb

Neben den Pflichtfächern hatten wir Studenten des zweiten Semesters die Möglichkeit, beim Modepreis als Wahlfach mitzuhelfen. Um den Bachelor-Abschluss zu erhalten ist es notwendig, neben den Pflichtfächern mindestens 8 Wahlfächer vorzuweisen. Normalerweise starten diese ab dem dritten Semester, es wurde aber eine Ausnahme beim Modepreis gemacht, da immer helfende Hände gebraucht werden. Man durfte sich in diesem Fach für eine Arbeitsgruppe entscheiden und zum Beispiel bei der Modelauswahl helfen, den Abend organisieren, die Jury betreuen, an der Bar am Abend der Show arbeiten oder an den Merch-Artikeln arbeiten. Für Letzteres habe ich mich entschieden. Zusammen mit Grafikdesign-Studenten haben wir dann geplant, dass Beutel und T-Shirts passend zum Modepreis unter dem Thema „Parasiten“ produziert werden sollen. Über einige Wochen haben wir Designs entworfen und das Angebot mit Fächern ergänzt. Wir entschieden, schlichte schwarze Beutel und T-Shirts online zu bestellen und diese handgearbeitet zu Unikaten zu verwandeln. Dabei unterstützte uns die Anna Siemsen Schule aus Hannover. Ich empfehle diesen Wahlkurs, da man einen Einblick in die einzelnen Arbeitsstränge hinter der schönen Fassade am Modepreis-Abend erlangt und sieht, wie viele Menschen dieses Event erst ermöglichen. Wenn ich wieder im Lande bin, würde ich mich auf jeden Fall wieder eintragen. Man lernt den Modepreis erst dadurch richtig zu schätzen! Der folgende Trailer vom Modepreis 2016 zeigt das auch nochmal sehr schön – wer aus der Nähe Hannovers kommt, kann auch gerne Mal beim nächsten Modepreis vorbeischauen – lohnt sich!

(Die Fächer, die ich nun nicht noch einmal erläutert habe, habe ich bereits im ersten Teil dieser Reihe thematisiert. Schaut mal hier!)

Eure Juliana