Was bisher geschah / 1

Neben meiner Leidenschaft, über meine Projekte, Trendlieblinge, Reisen oder Events zu schreiben, möchte ich auch denjenigen jungen Mädels und Jungs mit einigen Erfahrungen und Tipps zur Seite stehen, die auch überlegen Modedesign zu studieren. Ihr sollt einen schönen Einblick in meinen Studienalltag und Studienverlauf bekommen!

Momentan besuche ich das vierte Semester als Austauschstudentin an der Politecnico di Milano und habe somit bereits 3 erfolgreiche Semester hinter mir.

Mein Bachelor Modedesign-Studium an der Hochschule Hannover beträgt insgesamt 8 Semester, in denen wir Studenten in unterschiedlichen Fächern zur Modedesignerin ausgebildet werden.

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In diesem Blogartikel werde ich auf mein allererstes Semester eingehen. Nachdem ich die Mappenprüfung und die Eignungsprüfung erfolgreich abgelegt habe wurden wir Erstsemesterstudenten im Herbst 2015 sehr nett an der Hochschule willkommen geheißen. Wie an so ziemlich jeder Uni beginnt es mit einer Ersti-Woche, in der man den Campus erkundet, seine neuen Freunde kennenlernt, die Mensa testet, die Umgebung erforscht und mit einigen Goodies ausgestattet wird. Ich habe mich besonders über den Hochschul-Regenschirm gefreut, den ich wirklich gut gebrauchen konnten, denn Hannover im zentralen Norden von Deutschland ist nicht für bestes Wetter bekannt. Sicher kennt ihr das alle; wenn man von neuen Eindrücken überhäuft wird, vergeht die Zeit wie im Flug und so fand ich mich schon bald in meinen ersten Kursen wieder. Dazu zählten im ersten Semester:

  • Grundlagen der Gestaltung 1
  • Kunst- und Designgeschichte 1
  • Kreativität und Kommunikation 1
  • Schnittkonstruktion 1
  • Fertigung 1
  • Textile Waren 1
  • Entwurfsmethodik 1

Die ganzen 1en lassen schon darauf schließen, dass diese Fächer nach dem ersten Semester noch nicht abgeschlossen sind und man noch weitere Lektionen in kommenden Semestern erlebt. Grundsätzlich geht es im ersten Semester darum, erstmal einen generellen Einstieg in das Studienfach zu bekommen und sich weitläufig in die Materie einzuarbeiten. In den ersten Semestern belegen auch alle Modestudenten die gleichen Fächer, diese sind also Pflicht und man muss sich da etwas durchboxen. Später hat man mehr Möglichkeiten individuell Kurse zu wählen – dieses Prinzip ist aber auch nicht verkehrt, denn eine gewisse Grundlage ist einfach notwendig, um zu entscheiden, wohin man genau möchte.

Einige der Fächer (bei denen der Name nicht für sich spricht) möchte ich euch nun einmal kurz und knackig erläutern, damit ihr eine Vorstellung habt, um was es sich eigentlich handelt. Gerne könnt ihr natürlich immer Kommentare hinterlassen, wenn ihr noch Fragen habt oder mir eine private Nachricht schicken! Ich antworte zu 100%.

Die Grundlagen der Gestaltung hat man zwei Semester lang und in jedem Semester besteht das Fach aus zwei unterschiedlichen Blöcken. Man wird in seiner ersten Woche in Gruppen aus circa 15-20 Studenten aus allen Designstudiengängen eingeteilt, welchen alle verschiedene Kurse zugeteilt werden. So hatte ich beispielsweise ein komplett anderes Angebot als meine Kommilitonen aus dem Fach Modedesign. Meine Grundlagen im ersten Semester bestanden aus Zeichnen und experimentellem Gestalten und alle Angebote dienen dazu, kreativ in verschiedenen Bereichen zu sein, neue Einblicke zu bekommen und es zu lernen, Inspiration aus vielem zu schöpfen, das auf den ersten Blick gar nicht nennenswert ist. Ich bin ja schon immer wild am Zeichnen gewesen, weshalb mir dieses Fach natürlich besonders Spaß gemacht hat, dennoch habe ich die anderen Blöcke auch echt interessant gefunden. Beispielsweise haben wir in dem experimentellen Block aus alten Kartons Installationen in der Uni geschaffen oder Design-Ostereier gebastelt. Auch, wenn viele unserer Aufgaben erstmal verrückt klangen, hat es doch Spaß gemacht, sie umzusetzen und etwas völlig Neues zu schaffen.

In der Vorlesung Kreativität und Kommunikation werden verschiedene Kreativitätstheorien erläutert, es wird auf Designbeispiele eingegangen und Kunst und deren Kommunikation wird betrachtet. Abgeschlossen wird der Kurs mit einer Hausarbeit zu bestimmten Fragen aus der Vorlesung.

In Schnittkonstruktion werden die Modestudenten an die Grundlagen eines Kleidungsstückes herangeführt. So werden zum Beispiel ein Rockgrundschnitt oder ein Oberteilgrundschnitt auf Maß aufgestellt, um das theoretische Gerüst eines jeden Kleidungsstückes zu kennen. Denn wenn man später ein Design entwickelt, ist es natürlich nötig zu wissen, wie man es auch umsetzen kann. Bevor man anfangen kann zu nähen, muss die Konstruktion entwickelt werden und dazu dient dieser erste von vielen weiteren Kursen.

In der Fertigung erlernt man die Grundlagen des Nähens über zwei Semester. Da ich bereits vor meinem Studium eine Ausbildung unter Anderem zur Damenmaßschneiderin absolviert habe, war es für mich nicht erforderlich, wöchentlich teilzunehmen. Die Anderen haben dann aber bei der einfachen geraden Naht angefangen und unterschiedliche Methoden und Schritte zur Produktion eines Kleidungsstückes kennengelernt.

Im Fach Entwurfsmethodik wurde gelehrt, ein Kleidungsstück in allen Einzelheiten zu betrachten. Wie ist es gefertigt, welche Materialien und welche Passform hat es und wie sieht die technische Zeichnung dazu aus? In diesem Unterricht hat man auch schon die Chance, herauszufinden, ob man eher Damen, Herren oder Kinder ausstatten möchte, da man Einblicke in unterschiedliche Bereiche bekommt.

Generell ist das Modedesignstudium, wie auch viele andere Designstudiengänge kein Studium, in dem man tagtäglich für die nächste Klausurenphase lernt. Natürlich werden auch viele wichtige theoretische Kenntnisse gelehrt, doch um ein Semester abzuschließen finden eher weniger Klausuren, aber mehr Abgaben statt – was nicht weniger Aufwand bedeutet. Ich finde, man muss wirklich mit Leidenschaft bei der Sache sein, um das Ganze zu meistern. Es ist nicht selten so, dass man das ganze Wochenende oder seine Abende damit verbringt, sein Skizzenbuch zu füllen oder Probeteile zu nähen. Ich bin zum Beispiel wirklich mit viel Spaß und Ehrgeiz bei der Sache und weiß, dass es genau das Feld ist, in dem ich bald arbeiten möchte. Deshalb macht es mir nichts aus, bis zum Schlafen zu zeichnen oder zu nähen – ich sehe es als Hobby an, und das wirklich ziemlich in jedem Unterrichtsfach. Weil man so viel Freizeit für dieses Studium opfert findet man aber auch schnell heraus, ob es das Richtige ist oder nicht. Viele unserer Studienabbrecher haben in den ersten 3 Semestern entschieden, dass es nicht das Wahre für sie ist und das ist ja vollkommen okay. Herausfinden kann man es erst, wenn man es testet, also habt keine Scheu! Ich hatte zum Beispiel Glück und genieße es in vollen Zügen!

Eure Juliana